Der Ursprung und die Entwicklung des Krav Maga der KMU

Das Selbstverteidigungssystem von sicher und SELBST basiert untern anderem auf dem Krav Maga System der Krav Maga Union, welches knüpft historisch-inhaltlich an das militärisch-polizeiliche Krav Maga (hebräisch für Kontaktkampf) an, welches im Feld der Staatsgründung Israels herausgebildet wurde. Es versteht sich allerdings als spezifische Erweiterung. Diese Erweiterungen und Anpassungen durchziehen die Geschichte des Krav Maga, wobei der Begriff mittlerweile von vielen verschiedenen Selbstverteidigungs- und Nahkampfsystemen geführt wird, die alle auf eine Art und Weise an das historische Krav Maga anschließen oder Bezug nehmen.

Krav Maga im Rahmen der Staatsgründung Israels als militärisches Nahkampfsystem

Der Name Krav Maga tauchte zum ersten Mal im November 1949 innerhalb der IDF (Israeli Defense Force) auf, die im Rahmen der israelischen Staatsgründung ein Jahr vorher gegründet wurde. Krav Maga bezeichnete das dort praktizierte und entwickelte Nahkampfsystem, welches vor allem durch die operativen Ansprüche der in den frühen 1950er Jahren ins Leben gerufenen Kommandoeinheiten auskonturiert wurde. Dabei wurden die Nahkampfinstruktoren der Kommandospezialeinheiten miteinbezogen, wobei der wohl am Häufigsten genannte Imrich „Imi“ Lichtenfeld (1910-1998) sein dürfte. Lichtenfeld selbst
war der Nahkampfinstruktor der Unit 101 und seine Lebens- und Kampferfahrungen aus Kämpfen mit Nazi-Sympathisanten in den Straßen Bratislawas in den 1930er Jahren sowie als Nahkampf (Palmach bzw. Kapap)-Instruktor in Palästina in den 1940ern formten den Hintergrund.
So wurde Krav Maga als operatives Nahkampfsystem gebildet und folgte dabei den Kriterien der Effektivität und der schnellen Erlernbarkeit, unabhängig von Körperbau oder Konstitution:
Das System musste unabhängig von Kleidung, Umgebung und Witterung umzusetzen sein.
Instinktive Reaktionen mussten berücksichtigt und gewinnbringend genutzt werden.
Die technischen Vorgehensweisen mussten stressresistent, d.h. auch bei Verlust feinmotorischer Fertigkeiten, umsetzbar sein. Die Ausbildungszeit musste überschaubar sein.
Das System muss flexibel erweiterbar sein, so dass neue Erkenntnisse jederzeit eingebunden werden können.

Lichtenfeld war bis 1964 für die IDF tätig und war dann mit einigen Schülern damit beschäftigt, Krav Maga in den Zivilbereich zu übertragen.

Entwicklungen des zivilen Krav Maga

Die Ausgangsbasis des zivilen Krav Maga war, wie die des militärischen, durch Lichtenfelds Lebenserfahrungen geprägt und folgte zunächst und insbesondere den Kriterien der Effektivität und der schnellen, von Körperstatur und -größe unabhängigen Erlernbarkeit. Das so unterrichtete Nahkampfsystem mit bloßen Händen und einer in wenigen Monaten erfolgenden Erlernbarkeit war für den kommerziellen Dauerbetrieb eines Trainingsinsitutes in Natanya nicht geeignet. Daher wurden zusätzlich Judo und Karate-Klassen eingerichtet und 1968 hielten ein Gürtelsystem und sicheres Kontaktsparring ins zivile Krav Maga Einzug.
In den 1980er Jahren wurde ziviles Krav Maga auch in Schulen auf Anordnung des israelischen Bildungsministeriums unterrichtet und ab dieser Zeit begann auch die Ausdehnung in den außerisraelischen Raum: So gaben bspw. Lichtenfeld oder seine (Schüler-)Schüler im Ausland Unterricht oder gründeten Organisationen. Seit dem Tod Lichtenfelds im Jahr 1998 findet Krav Maga als Markenname weltweit Verbreitung, einhergehend mit vielfältigen Verbandsstrukturen mit den unterschiedlichsten An- und Abgrenzungen und Berufungen auf Lichtenfeld oder die israelischen Streitkräfte.

Entwicklung bei den Sicherheitskräften

In militärisch-polizeilichen Kreisen gab es ebenfalls diverse Veränderungen: So wurde bspw. in den frühen 1970er Jahren in der IDF (Israeli Defense Forces) die auf Geiselbefreiung spezialisierte Spezialeinheit Lotar gegründet. Das dort praktizierte Nahkampfsystem hieß zwar ebenfalls Krav Maga, aber die Instruktoren waren keineswegs alle zivile oder gar IDF-zertifizierte Krav Maga Instruktoren. Mit der Suche nach trainierten Instruktoren begann die Entwicklung weiterer Nahkampfsysteme im polizeilisch-militärischen Bereich, wie bspw. Hisardut (hebräisch für Überleben).

Auch im Krav Maga begannen verschiedene Ausbilder für Sicherheitskräfte ihre Variante an Zivilpersonen weiterzugeben und es entwickelte sich eine weit verzweigte, durchaus auch sich kommerziell zeigende Verbandslandschaft. Einer dieser Ausbilder war der ehemalige Ausbildungsleiter der Spezialeinheiten der israelischen Grenzpolizei, Amnon Maor.
Amnon Maors Krav Maga Derivat speiste sich aus seinen Einsatzerfahrungen und deren Reflektion und setzt auf variable, an individuellen Gegebenheiten orientierte Lösungsansätze und grobmotorisches und daher stressresistentes Vorgehen. Eine ebenfalls ausgemachte Versportlichung des Krav Maga durch das Einfließen komplexerer Vorgehensweisen lehnt Maor strilt ab, da damit eine erhöhte Versagenswahrscheinlichkeit einhergeht.
Neben Amnon Maor gibt es noch weitere ehemalige Nahkampfausbilder der israelischen Sicherheitskräfte, welche im zivilen Bereich Krav Maga Varianten unterrichten und dabei mit ihren eigenen Erfahrungen das erweitern, was als Krav Maga bezeichnet wird.

Übergang zu KMU Krav Maga

KMU Krav Maga wurde als realitätsfunktionales Selbstverteidigungssystems auf der Basis verschiedener Krav Maga Varianten entwickelt. Die Hauptsäule bildet das direktere, stressresistentere Krav Maga Amnon Maors. Dabei bezeichnet der Zusatz Triple-i nicht nur eine namentliche Unterscheidung von anderen Krav Maga Derivaten sondern kennzeichnet die konzeptionellen Schwerpunkte:
Die bei Maor angedachte Individualisierung wurde trainingssystematisch ausgebaut und didaktisch verankert: So können im Rahmen einer nichtmilitärischen, weniger zeitbegrenzten Ausbildung verstärkt individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgebaut werden. Ebenso wurden Trainingsmechanismen zur Ausbildung intuitiven Handelns in Extremsituationen integriert. Bei der Trainingskonzeption wurde aber der Zielraum (Europa) und die Zielgruppe (Zivilisten) besonders berücksichtigt. Das sich dabei ergebene Stufensystem erlaubt ein sinnvolles, angepasstes, rechtachtendes Reagieren und Agieren auf allen Eskalationsstufen der Gewalt:

Mit Blick auf die Zielgruppe werden Deeskalations- und Sensibilisierungspraktiken durchgeführt, um die Chancen einer Verhinderung der Gewalteskalation im Vorfeld erhöhen. Bei Bagatellangriffen werden gesetzeskonforme, angemessene Vorgehensweisen unterrichtet und in Extremsituationen wird auf kompromisslose, praxiserprobte Handlungsweisen zurückgegriffen, die sich im polizeilich-militärischen-sicherheitskraftlichen Krav Maga finden lassen.

Dabei verzichtet KMU Krav Maga bewusst auf Bezeichnungen wie authentisch oder original, da es sich als moderne, effiziente Erweiterung des Selbstverteidigungssystems der israelischen Sicherheitskräfte versteht.
Diese Erweiterung ist als Prozess zu begreifen: Kampfrealitäten werden in konkreten Situationen zwischen den Beteiligten hervorgebracht und wir fragen uns, ob ein Selbstverteidigungssystem es sich leisten kann, auf dem Stand von vor 20-30 Jahren einzufrieren?