Auf den ersten Blick wirkt diese Folge des Selfdefensebox Podcasts wie eine ganz typische Mischung aus Wochenrückblick, persönlichen Anekdoten und spontanen Community-Fragen. Nancy und Dom sprechen über Frühlingsgefühle, Allergien, Achterbahnen, überfordernde Drogeriemärkte und die Tücken von Videopodcasts. Wer aber nur diese Oberfläche wahrnimmt, übersieht schnell, wie viel Grundsätzliches in dieser Episode steckt. Denn unter der lockeren Gesprächsdecke geht es um einige zentrale Fragen, die für die Selfdefensebox Cologne und ihre Philosophie entscheidend sind.
Wie sieht eigentlich ein sinnvolles Kinderkonzept aus, wenn man nicht einfach nur Kinder „bespaßen“, sondern ihnen wirklich etwas mitgeben will? Wie viel Planung steckt hinter einem Podcast, der sich bewusst leicht und spontan anfühlen soll? Warum wächst eine Selbstverteidigungsschule nicht automatisch einfach weiter, selbst wenn die Nachfrage da wäre? Wie stark beeinflusst Social Media unser Sicherheitsgefühl? Und wo verläuft die Grenze zwischen forderndem Training und einem Training, das Menschen eher schadet als stärkt?
Genau das macht diese Folge so interessant. Sie ist nicht nur unterhaltsam, sondern sie legt an vielen Stellen offen, wie in der Selfdefensebox gedacht wird. Nicht geschniegelt, nicht geschniegelt-intellektuell, sondern direkt, ehrlich, teilweise chaotisch und gerade dadurch sehr klar.
Zwei gesunde Podcaststimmen, Frühlingsgefühle und ein Gespräch über Allergien
Schon der Einstieg zeigt wieder sehr gut, was diesen Podcast ausmacht. Nancy hat im Vorfeld ein positives Adjektiv mit D gegoogelt und sich für „dynamisch“ entschieden. Daraus entwickelt sich direkt der erste kleine Schlagabtausch, halb albern, halb liebevoll, wie so oft zwischen den beiden. Doch direkt danach landet das Gespräch bei etwas sehr Alltäglichem: Beide sind gesund, der Winter scheint überstanden, der Frühling steht vor der Tür. Und damit kommt auch das nächste Thema automatisch auf den Tisch: Allergien.
Das klingt zunächst nebensächlich, erfüllt aber im Podcast eine klare Funktion. Hier sprechen keine Figuren, die in jeder Minute künstlich „beim Thema“ bleiben müssen. Hier sprechen zwei Menschen miteinander, die nicht nur fachlich über Selbstverteidigung reden, sondern sich auch als Personen zeigen. Genau das ist inzwischen ein fester Bestandteil des Selfdefensebox Podcasts. Vertrauen entsteht eben nicht nur durch Fachwissen, sondern auch dadurch, dass man ein Gefühl dafür bekommt, mit wem man es zu tun hat.
Dom beschreibt seine Probleme mit blühenden Gräsern und berichtet von Mitteln, die ihm gut helfen. Nancy erzählt, dass sie zwar getestet wurde, aber gar nicht mehr genau weiß, worauf sie eigentlich allergisch reagiert. Es geht um Nasensprays, Augentropfen, homöopathische Versuche, Cortison und die alte Wahrheit, dass manche medizinischen Lösungen zwar helfen, aber eben nicht völlig harmlos sind. Sogar der Kater mit seiner Cortison-Geschichte und dem traurigen Ende taucht auf.
Diese minutenlange Allergie-Abzweigung ist kein inhaltlicher Unfall. Sie ist ein Beispiel dafür, wie der Podcast Nähe aufbaut. Denn wer zuhört, merkt sehr schnell: In der Selfdefensebox reden keine seltsamen Kunstfiguren, sondern Menschen, die genauso Alltag, Wehwehchen, Eigenheiten und Vorlieben haben wie alle anderen auch.
Wochenhighlights zwischen Achterbahntherapie und pädagogischem Aha-Moment
Wie inzwischen fast schon ritualisiert, folgt früh in der Episode das Highlight der Woche. Auch diese Rubrik ist mehr als bloße Spielerei. Sie bringt Struktur in den Podcast, sorgt für Wiedererkennung und schafft gleichzeitig den Rahmen, um Persönliches zu erzählen, ohne dass es künstlich wirkt.
Nancy berichtet, dass ihr Highlight das Wetter und der Kauf von Tickets fürs Phantasialand war. Schnell wird klar: Sie ist Team Freizeitpark, Team Achterbahn und vor allem Team lautes Herausschreien. Für sie ist das eine Art Ventil, weil man im normalen Alltag eben nicht einfach irgendwo losbrüllen kann, ohne seltsame Blicke zu ernten. Also wird die Achterbahn zur kontrollierten Entladung. Dom greift das sofort auf, kommentiert das mit seinem typischen Humor und spinnt die Vorstellung weiter, dass man ja notfalls auch einfach im Tonstudio der Selfdefensebox mal schreien könne.
Hinter dem Witz liegt aber auch hier wieder ein kleiner Charaktermoment. Nancy wirkt nicht geschniegelt, sondern echt. Sie erzählt nicht in perfekt gesetzten PR-Sätzen, sondern so, dass man sie als Person viel besser greifen kann. Genau darin liegt ein wichtiger Mehrwert des Formats.
Doms Highlight ist dagegen viel enger mit dem Training verknüpft. In der vorherigen Folge hatte er als Learning beschrieben, dass eine Gruppe von sieben oder acht befreundeten Jungs im Kinderkurs eine ganz eigene Dynamik entwickelt hatte. Sie waren nicht böse, nicht problematisch im großen Sinn, aber eben so eng miteinander verbunden, dass sie als Gruppe den Kurs in eine Richtung zogen, die fürs Lernen schwierig wurde. Dom schrieb daraufhin den Eltern, sprach das offen an und machte den Jungs zu Beginn der nächsten Stunde freundlich, aber klar deutlich, dass sie sich im Training anders verhalten müssten als auf dem Spielplatz.
Der entscheidende Satz kam dann von einem der Jungen: „Aber das ist doch hier gar kein Klassenraum.“ Genau dieser Moment löst bei Dom etwas aus. Denn plötzlich wird ihm schlagartig klar, wie die Kinder die Situation tatsächlich sehen. Für sie ist die Matte eben kein Lernraum im klassischen Sinn, sondern eher ein Ort zum Auspowern, Spielen und Zusammensein. Und genau da liegt das Problem. Denn Selbstverteidigungstraining soll zwar Spaß machen, ist aber eben trotzdem ein Ort, an dem gelernt wird, konzentriert gearbeitet werden muss und Verantwortung füreinander zählt.
Dieser kleine Moment zeigt sehr gut, wie Dom Training versteht. Es geht ihm nicht um blinde Disziplin oder Machtausübung. Es geht darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem Kinder Spaß haben, aber gleichzeitig lernen, sich nicht gegenseitig zu gefährden. Nancy ergänzt später ganz treffend, dass auch der Vergleich mit dem Sportunterricht naheliegend gewesen wäre. Auch dort gibt es keine Tische und Stühle und trotzdem ist klar, dass Lernen stattfindet.
Das Kinderkonzept der Selfdefensebox: Pänz Defense als durchdachte Entwicklung statt einfache Sammelgruppe
Eine der wichtigsten Fragen aus der Community dreht sich um das Kindertraining. Gibt es ein eigenes Kinderkonzept? Und können die Trainerinnen und Trainer das, was sie dort anbieten, überhaupt wirklich von Grund auf sinnvoll vermitteln?
Die Antwort fällt eindeutig aus. Ja, es gibt ein Kinderkonzept, und zwar schon seit vielen Jahren. Dieses Konzept heißt Pänz Defense, ein Begriff, den Dom nach eigener Aussage irgendwann auf der Toilette hatte, der aber inzwischen längst mehr ist als nur ein Name. Er wurde rechtlich geschützt und steht für einen spezifischen Ansatz im Kindertraining der Selfdefensebox Cologne.
Besonders interessant ist, dass hier nicht einfach behauptet wird, man habe „ein tolles Konzept“. Stattdessen wird ziemlich offen erklärt, aus welchen Bausteinen es sich zusammensetzt. Im Team gibt es pädagogische Kompetenz, Trainerlizenzen, methodisch-didaktische Erfahrung und vor allem jahrelange Praxis mit Kindern. Genau aus dieser Mischung ist ein System entstanden, das nicht bloß Techniken aneinanderreiht, sondern die Entwicklung der Kinder ernst nimmt.
Nach Corona wurde ein wertebasiertes Gürtelsystem eingeführt. Zwölf Werte, zwölf Wochen, dazu jeweils eine Technik, viel kämpferisches Spielen, viel Motivation, Patches für den Gürtel und ein Training, das Kinder emotional wie körperlich bindet. Das funktionierte über Jahre sehr gut. Aber dann kam ein Punkt, an dem die ersten Kinder eben nicht mehr sechs oder sieben waren, sondern acht, neun oder zehn. Und plötzlich zeigte sich: Was für jüngere Kinder hervorragend funktioniert, wird für ältere irgendwann zu wenig.
Genau an dieser Stelle zeigt sich die Stärke des Konzepts. Statt aus wirtschaftlicher Bequemlichkeit alle Kinder einfach weiter in denselben Kursen zu lassen, hat die Selfdefensebox entschieden, das System aufzuteilen. Fünf- bis Siebenjährige trainieren nun in einem anderen Entwicklungsrahmen als Acht- bis Elfjährige. Das ist organisatorisch und wirtschaftlich mutig, weil es natürlich komplizierter ist, die Kurse genauer zu takten und mögliche Interessenten vielleicht an einzelnen Tagen nicht abholen zu können. Aber die Entscheidung folgt eben nicht der bequemsten Lösung, sondern der sinnvolleren.
Dom erklärt sehr anschaulich, warum große Altersspannen im Kindertraining problematisch sind. Ein Sechsjähriger ist weder motorisch noch kognitiv noch emotional an derselben Stelle wie ein Elf- oder Vierzehnjähriger. Wer solche Gruppen einfach zusammenwirft, macht es sich vielleicht organisatorisch leichter, aber nicht pädagogisch besser. Zudem birgt das Ganze auch ein ganz praktisches Risiko: Größere, kräftigere Kinder können kleinere schlicht überrennen, selbst wenn das gar nicht böse gemeint ist.
Für die Fünf- bis Siebenjährigen bleibt der Fokus stärker auf Wertevermittlung, spielerischem Lernen und einzelnen Techniken. Für die Acht- bis Elfjährigen verschiebt sich der Schwerpunkt bereits weiter in Richtung Techniktraining, Struktur und Anwendungsverständnis. Die Werte bleiben wichtig, werden aber anders eingebettet. Die Gürtelentwicklung orientiert sich dort stärker daran, ob Kinder Techniken tatsächlich zeigen und im Training umsetzen können.
Besonders sympathisch ist dabei, dass das System nicht dogmatisch gedacht wird. Eltern wurden informiert, Übergänge werden flexibel gestaltet und wenn ein siebenjähriges Kind schon sehr weit ist, kann es im älteren Kurs mittrainieren. Umgekehrt darf auch ein neunjähriges Kind im jüngeren Bereich bleiben, wenn es genau dort gerade besser aufgehoben ist. Nicht das starre System steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, was dem Kind in seiner jeweiligen Entwicklungsphase am meisten hilft.
Wie viel Planung hinter dem Podcast steckt – und warum gerade die lockere Form gewollt ist
Die zweite Community-Frage wirkt fast schlicht, ist aber in Wahrheit sehr aufschlussreich: Wie viel Planung steckt eigentlich hinter den Podcastfolgen?
Die ehrliche Antwort lautet: Erstaunlich wenig. Nancy beschreibt sehr offen, dass die eigentliche Absprache oft nur wenige Minuten dauert. Montags wird aufgenommen, kurz vorher wird entschieden, welches Thema oder welche Community-Fragen drankommen, und dann geht es los. Natürlich denkt sie im Vorfeld mit, sammelt Fragen, sortiert Themen und bereitet sich in ihrem Rahmen vor. Aber ein enges Skript oder ein durchinszenierter Ablauf existiert nicht.
Dom ergänzt, dass genau das auch beabsichtigt ist. Denn sobald man aus einem Podcast eine perfekt durchkomponierte Wissenssendung machen will, braucht es viel mehr Vorbereitung, viel mehr Struktur und im Videokontext auch viel mehr Kontrolle. Dann wäre man schnell bei etwas, das eher wie eine Quarks-und-Co-Produktion wirkt als wie ein echtes Gespräch. Die Frage ist dann aber: Wollen die Hörerinnen und Hörer das überhaupt?
Gerade hier wird deutlich, dass der Podcast seinen Platz sehr genau kennt. Er soll nicht die Seminare ersetzen. Er soll kein vollständiges Lehrmedium sein. Er soll eher ein Gesprächsraum sein, in dem Einblicke, Gedanken, Erfahrungen und Haltungen transportiert werden. Wer wirklich intensiv lernen will, so sagt Dom sinngemäß, soll in die Kurse kommen, Seminare buchen oder sich im direkten Training auseinandersetzen. Der Podcast ist dafür da, Menschen an das Thema und an die Personen heranzuführen, nicht dafür, die Matte zu ersetzen.
Das ist eine kluge Selbstbegrenzung. Denn viele Podcasts scheitern genau daran, dass sie zu viel wollen und dadurch weder wirklich locker noch wirklich tief werden. Die Selfdefensebox entscheidet sich hier ganz bewusst für Persönlichkeit, Spontaneität und Gespräch statt für künstliche Perfektion.
Warum Vergrößerung nicht nur eine Frage von Räumen, sondern vor allem von Menschen ist
Die dritte Frage aus der Community dreht sich um Wachstum. Habt ihr vor, euch zu vergrößern?
Wie so oft startet die Antwort mit einem Scherz über Wachstumshormone, Testosteron und die absurden Nebenwirkungen solcher Fantasien. Doch relativ schnell wird klar, worum es eigentlich geht: um Standorte, Expansion und die Grenzen dessen, was man sinnvoll aufbauen kann.
Dom macht dabei einen Punkt, den viele Außenstehende wahrscheinlich unterschätzen. Die größte Herausforderung bei mehreren Standorten ist nicht die Fläche, nicht einmal primär das Geld, sondern das Personal. Gute Räume kann man finden. Kurspläne kann man bauen. Nachfrage kann man erzeugen. Was man nicht einfach aus dem Boden stampfen kann, sind Trainerinnen und Trainer, die fachlich passen, menschlich stabil sind und professionell genug, um in dieser besonderen Branche sauber zu arbeiten.
Genau hier wird es sehr interessant. Denn Dom spricht ein Thema an, das in vielen Selbstverteidigungs- oder Kampfsportstudios entweder verdrängt oder romantisiert wird: die Gefahr von Egodynamiken und unprofessionellen Abhängigkeiten. Trainer, die sich als Retter inszenieren. Kundinnen oder Kunden, die sich emotional an bestimmte Personen binden. Menschen, die in einem sensiblen Bereich wie Selbstverteidigung ihre Rolle nicht sauber halten. Für ihn ist klar: Wer einen zweiten oder dritten Standort eröffnet, braucht nicht nur fachlich gute Leute, sondern Menschen, die ihre Grenzen kennen, sich nicht aufblasen und mit Nähe professionell umgehen können.
Nancy übersetzt das aus ihrer sozialarbeiterischen Perspektive sehr treffend in den Begriff „Hilfe zur Selbsthilfe“. Also gerade nicht der Trainer als Held, an den sich Menschen anlehnen sollen, sondern jemand, der andere stärkt, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu schieben. Genau das scheint für Dom der eigentliche Maßstab zu sein.
Deshalb lautet seine Antwort im Kern: Ja, wenn er das passende Personal hätte, dann wäre Wachstum vorstellbar. Aber ohne diese Menschen ergibt es keinen Sinn. Diese Ehrlichkeit ist bemerkenswert, weil sie dem üblichen Unternehmerton widerspricht. Es geht hier nicht um Größe um jeden Preis, sondern um Qualität vor Ausdehnung.
Social Media, Sicherheitsgefühl und die Macht der permanenten Zuspitzung
Eine der inhaltlich stärksten Passagen der Folge beginnt mit der Frage, wie Social Media unser Sicherheitsgefühl beeinflusst. Nancy antwortet aus ihrer Perspektive als Online-Marketing-Studentin, aber eben auch als jemand, der soziale Arbeit studiert, im Frauenhaus gearbeitet und mit unterschiedlichen Formen von Gewaltkontexten zu tun hatte.
Ihre Grundlinie ist klar: Ja, Social Media beeinflusst das Sicherheitsgefühl vieler Menschen negativ. Nicht, weil alles, was dort auftaucht, frei erfunden wäre, sondern weil die permanente Verdichtung von Informationen dazu führt, dass Dinge viel häufiger und allgegenwärtiger wirken, als sie im eigenen Lebensalltag tatsächlich sind. Wenn Gewaltvorfälle, Übergriffe, Messerangriffe oder Bedrohungen täglich auf dem Bildschirm auftauchen, entsteht schnell der Eindruck, man lebe in einer dauerhaften Gefahrenlage.
Nancy betont aber auch, dass sie selbst sich davon weniger leiten lässt, weil sie sich intensiv mit wissenschaftlicher Literatur, Krisenkontexten, Gewaltdynamiken und Biografien beschäftigt hat. Genau dadurch kann sie Dinge anders einordnen. Das ist ein wichtiger Punkt: Nicht jeder, der nüchtern bleibt, ist automatisch unberührt. Oft ist gerade tiefere Beschäftigung der Grund dafür, warum man eben nicht auf jede Überschrift emotional anspringt.
Dom ergänzt den Gedanken und macht die strukturelle Seite noch deutlicher. Er spricht davon, dass mittlerweile viele Menschen nur noch Überschriften lesen, Clickbait mit echter Information verwechseln und sich ihre eigene Wirklichkeit aus halben Reizen zusammenbauen. Social Media demokratisiert Veröffentlichung, aber nicht automatisch Qualität. Heute kann jeder auftreten wie ein Medium, jeder kann Grafiken, Logos und Schlagzeilen produzieren, die aussehen wie Presse, ohne journalistisch zu arbeiten.
Besonders scharf fällt seine Kritik an Plattformmechanismen wie Facebook aus. Er beschreibt, wie dort Reaktionen verzerrt wirken können, wie Kontroversen belohnt werden und wie sich Algorithmen an Eskalation und Emotionalisierung nähren. Gleichzeitig kritisiert er, dass Inhalte, die seriös über Gewaltschutz aufklären wollen, in Reichweite beschnitten werden, während polarisierender Unsinn oft floriert. Genau diese Ambivalenz empfindet er als problematisch.
Was an diesem Teil der Folge so stark ist: Er driftet nicht in ein bloßes „Social Media ist schlimm“ ab. Vielmehr wird gezeigt, wie Plattformlogiken, Medienverhalten und individuelle Wahrnehmung zusammenwirken. Das Sicherheitsgefühl verändert sich nicht einfach, weil mehr passiert, sondern weil Wahrnehmung immer stärker von verdichteten Reizen, selektiven Bildern und algorithmischer Verstärkung geprägt wird.
Kann Selbstverteidigung zu aggressiv trainiert werden? Die vielleicht wichtigste Antwort der Folge
Die letzte große Community-Frage bringt die vielleicht wichtigste inhaltliche Botschaft der gesamten Folge hervor: Ja, Selbstverteidigung kann zu aggressiv trainiert werden.
Schon diese klare Antwort ist bemerkenswert, weil sie dem widerspricht, was viele in der Szene gerne verkaufen. Dort gilt oft: Härter ist besser, mehr Druck ist realistischer, mehr Überforderung macht „bereit für die Straße“. Dom widerspricht dem sehr deutlich. Aggressivität im Training ist nichts Absolutes. Sie ist immer relational. Was für die eine Person fordernd und sinnvoll ist, kann für eine andere schon komplett überfordernd sein.
Er beschreibt sehr anschaulich, dass Menschen, die keinerlei Erfahrung mit körperlicher Gewalt, Kampfsport oder realem Druck haben, durch zu aggressive Trainingsformen schnell in einen Zustand geraten können, in dem Lernen gar nicht mehr möglich ist. Das Nervensystem macht dicht, der Kopf fährt runter, und alles, was dann noch passiert, wird nicht verarbeitet, sondern bestenfalls ausgehalten.
Besonders eindrücklich ist sein Beispiel eines anderen Anbieters, bei dem Frauen am Ende eines Selbstverteidigungskurses unangekündigt von einem Trainer im Schutzanzug angegriffen wurden. Genau so etwas hält er nicht nur fachlich, sondern auch ethisch für problematisch. Nicht, weil Drucktraining grundsätzlich falsch wäre, sondern weil Kontext, Vorbereitung, Freiwilligkeit und individuelle Reife entscheidend sind. Menschen vorzuführen, zu überrumpeln und ihre Überforderung dann noch als Verkaufsargument zu benutzen, ist für ihn eine rote Linie.
Gleichzeitig macht er aber auch klar, dass fordernderes Training natürlich seinen Platz haben kann. Wer bereits länger trainiert, Sparring kennt, sich mit Gewaltkompetenz kontrolliert auseinandersetzen will und stabil genug ist, kann in einem Szenariokurs absolut sinnvoll weitergehen. Entscheidend ist eben nicht das Label des Kurses, sondern ob die Person dafür bereit ist.
Der Kerngedanke lautet: Selbstverteidigungstraining darf Menschen nicht überfahren. Es soll sie stärken. Und Stärke entsteht nicht dadurch, dass man Grenzen brutal niederwalzt, sondern dadurch, dass man Schritt für Schritt handlungsfähiger wird. Gerade deshalb bittet Dom mehrfach darum, mit ihm und dem Team zu sprechen, bevor man in härtere Formate geht. Nicht aus Bevormundung, sondern aus Verantwortung.
Learnings der Woche zwischen Drogeriemärkten, Weltschmerz und Videofallen
Zum Schluss wird es wieder leichter, ohne völlig oberflächlich zu werden. Nancy erzählt von ihrem Learning der Woche: Drogeriemärkte über zwei Etagen sind furchtbar. Was zunächst wie ein banales Alltagsproblem klingt, entwickelt im Gespräch seinen ganz eigenen Reiz. Es geht um Klopapier ohne Rolle, um die Frage nach drei- oder vierlagig, um verwirrende Ladenaufteilungen und um die Erkenntnis, dass manche kleinen Irritationen im Alltag einen erstaunlich stark nerven können.
Dom kontert das erst mit Sympathie, dann aber auch mit einem abrupten Welteinbruch. Während man über Drogeriemärkte spricht, sagt er sinngemäß, sei irgendwo gerade jemand erschossen, verhungert oder von Bomben getroffen worden. Der Moment kippt kurz ins Ernste und genau das ist wiederum typisch für diese beiden. Nancy reagiert darauf empfindsam, erzählt von positiven Nachrichtenseiten und süßen Tier-Reels, die einem das Social-Media-Erleben wieder etwas erträglicher machen. Auch hier entsteht aus einem scheinbar banalen Thema plötzlich eine kleine Nebenlinie über Wahrnehmung, Weltgeschehen und emotionale Selbstregulation.
Dom beendet die Folge mit seinem eigenen Learning, das sich auf den Videopodcast bezieht: Grau ist kameratechnisch keine gute Idee, T-Shirts können hochrutschen, Perspektiven können unvorteilhaft sein und man sollte während der Aufnahme vielleicht doch hin und wieder kontrollieren, wie man eigentlich gerade im Bild sitzt. Das ist oberflächlich, ja. Aber es ist gleichzeitig wieder so ehrlich und menschlich, dass es zum Gesamtcharakter des Podcasts passt. Hier wird nicht so getan, als sei alles geschniegelt, souverän und medienperfekt. Hier darf auch mal jemand sagen, dass er sich mit dem Bild von sich selbst unwohl gefühlt hat.
Warum diese Folge so gut zeigt, wofür die Selfdefensebox Cologne steht
Am Ende bleibt von dieser Podcastfolge viel mehr hängen als ein paar Fragen und Antworten. Sie zeigt in verdichteter Form, was die Selfdefensebox Cologne von vielen anderen Anbietern unterscheidet. Nicht nur im Training, sondern auch in der Kommunikation.
Da ist erstens diese konsequente Nahbarkeit. Nancy und Dom verstecken sich nicht hinter Fachbegriffen oder Experteninszenierungen, sondern lassen Menschen an ihrer Art zu denken und zu reden teilhaben. Zweitens ist da die klare pädagogische und menschliche Linie: Kinder werden nicht einfach verwaltet, sondern differenziert gefördert. Kundinnen und Kunden werden nicht mit Härte beeindruckt, sondern mit Vernunft begleitet. Wachstum wird nicht um jeden Preis gedacht, sondern nur dann, wenn die richtigen Menschen da sind. Und Social Media wird nicht naiv gefeiert, sondern kritisch reflektiert.
Drittens zeigt die Folge, dass gute Selbstverteidigung eben nicht nur aus Techniken besteht. Sie besteht aus Menschenkenntnis, aus Atmosphäre, aus Pädagogik, aus Kommunikationsfähigkeit und aus einem klaren Gespür dafür, wann etwas fordert und wann es kippt. Genau deshalb wirkt diese Folge trotz aller Leichtigkeit so substanziell. Sie ist keine bloße Fragerunde. Sie ist ein ziemlich ehrlicher Blick auf die Haltung hinter der Selfdefensebox Cologne.

